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„Ein ganzes Leben bei der GAG“

24.10.2018 | Menschen | Ein Kommentar

Name:
Dietlinde Deimann

Geboren:
1946

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Rentnerin

Lieblingsort:
Rheinufer

Ich hab fast mein ganzes Leben bei der GAG in Köln verbracht. Ich wurde sogar bei der GAG geboren – in der Wohnung meiner Eltern Köln-Bickendorf. 1946 war das. Dort lebte ich, bis ich mit 17 Jahren mit meinem Sohn Peter schwanger wurde, der später die Brings mit begründete. Mit dickem Bauch ging’s Richtung Äußere Kanalstraße in eine größere Wohnung. Und zack! – drei Monate nach Peters Geburt war ich mit Stefan schwanger. Wir zogen wieder um – diesmal in den Akazienweg. Hier wurde auch Maria geboren, mein drittes Kind. Wir zogen immer eine Ecke weiter und bekamen mit jedem Kind ein Zimmer mehr.

„Mit jedem Kind wurde es ein Zimmer mehr.“

Wir zogen in den Weißdornweg. 1971 lebten wir in einem Wohnprojekt der Kirche in Nippes in der Christinastraße – ausnahmsweise mal nicht in einer GAG-Wohnung. Dort bekam jeder, der vor der Tür stand, Einlass und ein Dach überm Kopf. Ließ man den Schlüssel von außen stecken, konnte jeder kommen. Wenn nicht, wollte die Familie ihre Ruhe haben. Unten im Keller war ein Spielzimmer eingerichtet. Wie man sich vorstellen kann, war in so einer Einrichtung immer was los.

1975 zerbrach meine erste Ehe. Ich zog ins Agnesviertel und heiratete erneut. Meine zweite Ehe war eine einzige Katastrophe, und die Jungs gingen  zu ihrem Vater. Doch nach zwei Jahren kamen sie zu mir zurück und wir richteten uns in einem Häuschen mit Garten in Flittard ein.

Meine Kinder waren schon von klein auf Musik-begeistert. Natürlich wurden sie entscheidend durch Rolly Brings, ihren Vater, geprägt, aber auch in meiner Familie wurde immer viel Musik gemacht. Mein Vater war ein sehr, sehr guter Geiger, der sich das Spielen selbst beigebracht hatte. Ich selbst sang eine Zeit lang in einer Band. Für meinen ältesten Sohn Peter war schon früh klar: „Ich werde Musiker!“ Da war er erst zwölf Jahre alt. Stephan hat sich vor dem ersten Album entschieden, auch die Berufsmusiker-Laufbahn einzuschlagen. Und der Erfolg gab ihm Recht.

„Ein Proberaum musste her.“

In Flittard machten die Jungs das Gartenhaus zum Proberaum. Sie schleppten alte Matratzen ran und dämmten damit die Wände. Draußen hörte man keinen Mucks! Jeden Tag – direkt nach der Schule – verschwanden meine Jungs mit ihren Kumpels in dem winzigen Häuschen. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam, standen manchmal zehn, zwölf Fahrräder vor der Tür. So sah er aus, der Beginn einer großen Karriere …

Nach fünf Jahren wollten wir alle aber zurück in die Innenstadt. Mitarbeiter der GAG zeigten uns drei sanierte Wohnungen. Das muss man sich mal überlegen! Damals konnte man es sich noch aussuchen. Wir entschieden uns für eine Wohnung im Severinsviertel. Die zweite Ehe scheiterte und ich war schwanger mit meinem vierten Kind Sarah, die 1983 zur Welt kam. Vier Jahre später heiratete ich erneut, aber auch diese Verbindung ging nach zehn Jahren kaputt. Jetzt wohne ich mit meinem inzwischen vierten Mann hier in der Rosenstraße.

„Ach, Köln ist schon schön!“

Ach, Köln ist schon schön. Vieles, was ich über die Stadt weiß, habe ich von meinem Vater. Er hat mich als Kind oft an die Hand genommen, mir sein Köln gezeigt und Geschichten dazu erzählt. So erfuhr ich, dass die Roten Funken, die ich aus dem Karneval kannte, ursprünglich Soldaten waren und die Stadttore bewachten.

Dietlinde-Deimann

Einmal waren wir an Heiligabend unterwegs und liefen über die Ehrenstraße. An der Ecke Brinkgasse standen Männer mit bunten Paketen. Ich fragte meinen Vater, was die dort machten. Seine Antwort: „Die han all en Fründin hinger der Mauer.“ Ich verstand erst später, was er damit meinte: Das war damals das Vergnügungsviertel.

Hier im Vringsveedel fühle ich mich sauwohl. Früher war das ein klassisches Arbeiterviertel, das zur Stollwerkfabrik gehörte. Ich liebe die Menschen, die hier leben, und die Nähe zum Rhein. Das genieße ich besonders, wenn es so heiß ist.

„In meinem Veedel kenn ich fast jeden.“

Ich bin leidenschaftliche Fahrradfahrerin. Am Wochenende fahre ich häufig nach Rodenkirchen oder Weiß. Dort gibt es herrliche Stellen am Ufer, wo man Picknick machen kann. Manchmal setze ich mich auch gern ins Restaurant „Rheinau“ gleich ums Eck von mir Zuhause. Dort brauche ich gar nicht zu bestellen und bekomme direkt meinen Kaffee hingestellt. In meinem Veedel kenne ich fast jeden. Alle wissen von allen alles, ob es nun stimmt oder nicht. Auch unsere Hausgemeinschaft ist toll. Sechs Parteien, bunt gemischt, sehr nett und friedlich.

Wenn ich durchs Treppenhaus laufe, heißt es: „Da kommt der Feldwebel!“ Das meint aber keiner böse. Das kommt daher, weil ich mich um vieles im Haus kümmere, wenn was kaputt ist und so. Dann rufe ich auch schon mal bei der GAG an und mach ein bisschen Tempo. Demnächst müsste ich mal wieder durchklingeln …

Fotos: Patrick Essex
Text: Jana Mareen Züger

Einen Kommentar für “„Ein ganzes Leben bei der GAG“”

  1. Eleonore Ditten sagt:

    Als Kind wohnte ich mit meinen Eltern in einer GAG Wohnung auf dem Weißdornweg 126. Dann zogen wir nach Lindenthal ins eigene Haus. Jetzt wohne ich seit 6 Jahren in einer GAG Wohnung in Müngersdorf. Und das gerne. Bis auf einen Mitbewohner sind alle sehr nett hier im Haus.

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