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„In Köln geht immer was!“

15.11.2018 | Menschen

Name:
Claus Bachem

Geboren:
1968

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Verleger

Lieblingsort:
Die Enoteca la Cantina - denn bei Pasquale trifft sich alles – vom Straßenkehrer über Kreative bis zum Generalvikar.

Klassischerweise stellt man sich einen Verleger ja so vor: ein älterer Herr, der Cordhosen trägt und in seinem Büro sitzt, während er ein Manuskript liest und Pfeife raucht. Das ist heute ganz anders. Ich habe nicht einmal ein eigenes Büro. Oft sitzen wir hier im Besprechungsraum und entwickeln gemeinsam Ideen.

Genau dieses Unternehmerische gefällt mir, deswegen bin ich Buchverleger geworden – auch wenn das in der heutigen Zeit eine echte Herausforderung ist. Wir bieten ja keine Fachliteratur an, die gezielt gesucht wird. Mit vielen unserer Titel sind wir darauf angewiesen, von möglichen Lesern einfach entdeckt zu werden, zum Beispiel, wenn sich jemand in Ruhe in der Buchhandlung umschaut. Dadurch, dass es den klassischen Buchhandel immer weniger gibt, werden solche Kontaktmöglichkeiten aber seltener und wir müssen neue Wege finden.

Claus Bachem Verlag Köln Kölnbeste GAG

Heute sind Kinderbücher unser größtes Feld. Da gibt es einen direkten Zusammenhang mit der Geburt meiner Tochter: Ich fand es schade, immer nur Bücher von anderen Verlegern kaufen zu müssen. So entstanden zunächst die Wimmelbücher mit Köln-Bezug. Und als wir das Wimmelbuch über den Kölner Zoo verlegt hatten, haben wir gedacht: Das könnte es doch auch über den Hamburger Tierpark Hagenbeck geben! Inzwischen haben wir nach diesem regionalen Konzept auch Wimmelbücher zu vielen anderen Regionen, vom Kult-Restaurant „Sansibar“ auf Sylt bis zum Tiergarten Schönbrunn in Wien herausgebracht. Regionalität finde ich gut, denn da hat man direkt mit den Menschen zu tun.

Ich glaube auch an Köln als Unternehmensstandort. Mir gefällt diese unternehmerisch-bürgerliche Art, mit der die Kölner schon ihren Dom gebaut haben. Hier geht immer was. Man hat eine Idee und muss nur mit Menschen ins Gespräch kommen und sie begeistern, dann wird es angepackt. So war das auch mit unserem neuen Kinderbuch „Köln – Wie geht das?“ Es erklärt alle möglichen Zusammenhänge der Stadt. Wie viele Äpfel werden jeden Tag in die Stadt gebracht? Wie viele Rollen Toilettenpapier? Wo kommt das Wasser her, und wie geht es wieder weg? Ich wollte, dass wir allen Drittklässler in Köln dieses Buch geben können.

„In einem Buchverlag hat man die Möglichkeit, die Dinge von Null auf zu entwickeln.“

Zusammen mit den Institutionen, die in dem Buch vorgestellt werden, haben wir dann ein Konzept dafür entwickelt, haben für jede von ihnen noch einmal eine separate Broschüre gedruckt, die die Lehrer als Unterrichtsmaterial nutzen können. Auf diese Weise konnten erstmals in Deutschland Bücher über die eigene Stadt für alle 10.000 Kinder der 3. Klasse über drei Jahre hinweg finanziert werden, und so etwas begeistert mich. In einem Buchverlag hat man die Möglichkeit, die Dinge von Null auf zu entwickeln. Wenn es dann klappt, ist es gut – und wenn nicht, haben wir eben etwas falsch gemacht.

Claus Bachem Verlag Köln Kölnbeste GAG

Ich selber lese gerne Krimis. Tote und Verletzte! Aber am Ende muss der Gute gewinnen. An das erste Buch, das ich selbst gelesen habe, kann ich mich noch erinnern. Das war „Mein Esel Benjamin“, eine Fotogeschichte von Hans Limmer, der damals Autor für unser Haus tätig war. Er hat auch „Geh mit durch Köln“ geschrieben, das viele noch von früher aus der Grundschule kennen.

Meine frühesten Erinnerungen ans Unternehmen habe ich übrigens gar nicht an den Verlag, sondern an die Druckerei, die es damals noch hier im Haus gab. Der Geruch von Druckerfarbe, und wie alles rappelte und knatterte! Dann die großen, schweren Maschinen, in die vorne Papier geschoben wurde und aus denen hinten ein Buch raus kam – für mich als Kind faszinierend!

Aber dass ich einmal in den Verlag einsteigen würde, war keineswegs von Anfang an klar. Als ich in die Phase der Berufswahl kam, hat mein Vater gesagt: „Mach das, was dir gefällt!“ Ich hatte Betriebswirtschaft studiert und bin dann erst einmal Unternehmensberater geworden. Mit den Erfahrungen, die ich dabei gesammelt habe, habe ich dann hier so lange Ideen geäußert, bis die Familie gesagt hat: „Dann mach du das doch!“

Heute, da mein Vater nicht mehr lebt, schaue ich manchmal hoch zum Himmel und denke: Vielleicht war es ein Trick, dass er mich nicht zum Verlag hingedrängt hat …

Claus Bachem Verlag Köln Kölnbeste GAG

Fotos: Klaudius Dziuk
Text: Johanna Tüntsch

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