Bianca Hauda: „Köln dürfte viel mutiger sein, wenn’s Bock drauf hätte.“

14.04.2020 | Menschen

Name:
Bianca Hauda

Geboren:
20. Februar 1984 in Bonn

In Köln seit:
2010

Beruf:
Moderatorin und Sprecherin

Lieblingsort:
Bestimmt nicht Rodenkirchen

„Meine Geschichte könnte so ähnlich anfangen wie die von Nadja Becker hier auf der Website. Ich wollte immer ans Theater und hab‘ schon als Kind und Jugendliche in Remscheid überall mitgespielt. Nach dem Abi hab‘ ich mich an allen großen Schauspielschulen im deutschsprachigen Raum beworben. Auch wenn ich einige Male in der letzten Runde war – genommen hat mich letztlich keine.

Das find‘ ich wirklich toll an Köln, dass es hier eine so große und renommierte Bühne gibt.

Irgendwann dachte ich mir: Gehst du vielleicht besser erstmal studieren. In Siegen hab‘ ich was gefunden, das zu mir gepasst hat: den Bachelor-Studiengang Literatur, Kultur und Medien. Dort konnte ich an der Studiobühne nebenher weiter schauspielern. Aber inzwischen mache ich das gar nicht mehr. Ab und zu gehe ich ins Schauspiel und schau mir ein Stück an. Das find‘ ich wirklich toll an Köln, dass es hier eine so große und renommierte Bühne gibt. Ein bisschen wehmütig machen mich solche Theaterbesuche aber auch, weil ich es nicht weiter verfolgt habe.

Das Moderieren, so gern ich das mache, ist dafür kein Ersatz, aber das muss es auch gar nicht sein. Als Moderatorin bin ich immer ich selbst. Meine Schauspielerfahrung kommt mir bei meiner Arbeit als Sprecherin von Hörspielen und Werbung zugute. Da werde ich entweder als die mit der großen Klappe gebucht – oder als Typ verträumt und supersweet. Ich hätte Lust, mehr als Synchronsprecherin zu arbeiten, aber das gibt es in Köln so wenig. Immerhin: Ich habe fünf Staffeln Rachel Khoo synchronisiert, so eine Art weiblicher Jamie Oliver.

Manche Leute finden, dass meine Stimme ein bisschen nach Nena klingt. Eins meiner allerersten Interviews war zufälligerweise mit ihr, damals noch bei Radio Siegen, meiner ersten Station beim Radio. Ich war super aufgeregt, aber Nena war zum Glück sehr nett. Sie hat wohl gemerkt, dass das mein Debüt als Interviewerin war.

Jeder, der sich auf die Bühne stellt, macht das gerne.

Überhaupt ist das ja das Spannende am Radio und generell an Tätigkeiten, die in der Öffentlichkeit stattfinden: Sie machen dich bewertbar. Wenn du mit irgendwas rausgehst, musst du damit rechnen, dass es Reaktionen darauf gibt und dass das natürlich nicht immer nur positive Reaktionen sind. Aber jeder, der sich auf eine Bühne stellt – ob jetzt als Künstler, Musiker, Schauspieler oder Moderator – macht das irgendwie auch gerne. Auch wenn manche etwas anderes erzählen.

Bei mir sind inzwischen schon 15 Jahre Radio zusammengekommen. Da sammelt man natürlich Erfahrung und auch die nötige Sicherheit. Bei Interviews weiß ich inzwischen: Es kann überhaupt kein schlechtes Gespräch entstehen. Selbst wenn einer nichts sagen will, kann ich ja nachhaken. Der Konflikt, der in solchen Situationen manchmal entsteht, ist ja mindestens genauso interessant wie wenn alles nach Plan verläuft.

Bei der Love Parade in Duisburg war ich sechs Stunden am Mikrofon.

Diese Sicherheit kommt natürlich erst mit der Zeit. Ich hatte als Radiomoderatorin zwei Feuertaufen: den Amoklauf von Winnenden 2009 und die katastrophale Love Parade 2010 in Duisburg. Während der Love Parade war ich sechs Stunden lang am Mikrofon bei 1LIVE. Ich war natürlich auf nichts vorbereitet, als es hieß: Du musst übernehmen. Ich wusste, dass man von mir jetzt einen kühlen Kopf und eine möglichst passende Moderation erwartet. Ich musste mich darauf verlassen, dass mein Team funktioniert. Und ich auch. Seitdem hab‘ ich keine Angst mehr.

Ich muss meine persönlichen Stimmungen komplett raushalten, sobald das Mikrofon an ist. Wenn’s mir schlecht geht, kann ich heulen, während ein Song läuft, aber danach muss ich ganz normal moderieren. Das ist wie ein Schalter, der sich in mir umlegt. Vielleicht hilft mir dabei meine Theatererfahrung. Auf der Bühne zeigt man ja auch nicht immer alle Facetten gleichzeitig von sich, sondern nur das, was die Rolle gerade braucht.

Bei 1LIVE zu arbeiten war immer mein großer Traum. Und als es dann soweit war, ist es traumhaft geblieben. Ich konnte da alles machen, was ich wollte. Das kann man von den wenigstens Jobs behaupten, glaube ich. Ich wollte zum Beispiel von Anfang an die Popkultur-Sendung Plan B machen. Und ich durfte es machen. Ich durfte coole Leute interviewen wie Peter Doherty, Alt-J oder Bilderbuch. Insgesamt war ich zehn Jahre bei 1LIVE. Eine wirklich erfüllende Zeit.

Aber jetzt fängt was Neues an: Arte Twist heißt die Sendung und ist der Nachfolger von Metropolis, dem europäischen Kulturmagazin. Wir drehen jede Woche in einer anderen Stadt irgendwo auf dem Kontinent. Gerade waren wir zum Beispiel in Wien. Die Stadt steht im weltweiten Index für Lebensqualität regelmäßig auf Platz eins. Wir wollen also wissen: Wie geht besseres Leben? Bis Ende 2020 werden wir rund 20 Folgen drehen. Ein echter Traumjob für mich.

Die Fähigkeit, mich vor Leuten hinzustellen und was rauszuhauen, hab‘ ich von meinem Vater.

Die Fähigkeit, auch komplizierte oder trockene Dinge einigermaßen verständlich und unterhaltsam zu erklären, hab‘ ich von meinem Vater. Ich hab‘ ihn schon einige Male interviewt, weil das so gut mit ihm funktioniert, zum Beispiel für eine Folge meines Podcasts Bestatten, Hauda. Da spreche ich mit Leuten über den Tod. Auf die Idee für den Podcast hat mich auch mein Vater gebracht. Er wollte vor einiger Zeit mit mir alles durchsprechen, was im Falle des Falles zu tun ist. Das war ein gutes Gespräch zwischen Vater und Tochter. Dadurch habe ich gemerkt, dass man sich im Alltag überhaupt keine Gedanken darüber macht. Keiner spricht gerne über den Tod, obwohl er doch jeden von uns früher oder später unmittelbar betrifft. Außer meinem Vater waren bisher zum Beispiel eine Bestatterin, ein Tatortreiniger und ein Tänzer dabei. Mittlerweile gibt es acht Folgen. Tolle Neuigkeit: Ich bin für den Deutschen Podcast-Preis nominiert, Kategorie Newcomer.

Deshalb mag ich die Kölner: Weil sie so herzlich sind.

Vielleicht kann mein Podcast ein bisschen dazu beitragen, dem ganzen Thema ein wenig die Schwere zu nehmen. Denn ich selbst bin eigentlich das, was man gemeinhin eine Rheinische Frohnatur nennt. Das ist mir besonders in meinen drei Jahren in Baden-Baden aufgefallen, als ich beim SWR für Das Ding gearbeitet habe. Ich bin so ein offener Typ, ich fass‘ die Leute gerne an. Das mögen die Menschen da unten überhaupt nicht. Deshalb mag ich die Kölner: Weil sie so herzlich sind. Ich nehme das überhaupt nicht als oberflächlich wahr, wie oft behauptet wird. Das kommt ja doch vor allem auf die Leute an, mit denen man sich umgibt. Und überhaupt: lieber oberflächlich und gut drauf als miesepetrig und konservativ.

Ich mag an Köln, dass es so rough ist und nicht so schön, auch wenn ich mir manchmal mehr schöne Dinge zum Anschauen wünschen würde. Aber da kann Köln ja nichts dafür, dass der letzte Weltkrieg davon nicht viel übrig gelassen hat. Der Ebertplatz galt in den 1920er Jahren als der schönste Platz Europas, das muss man sich mal vorstellen. Es könnte viel Paris in Köln sein! In der Südstadt bekommt man an manchen Stellen eine Ahnung davon.

Überhaupt dürfte Köln manchmal viel mutiger sein, wenn’s Bock drauf hätte. Ich höre so oft von genervten Berlinern, wie toll sie Köln finden. Köln könnte sich viel cooler und breitbeiniger darstellen, ohne deshalb großkotzig zu sein, als europäische Stadt in Deutschland neben Frankreich und Benelux. Dafür müsste sich Köln aber auch einfach mal mehr erlauben als immer nur diese Kölsche Kultur. Denn damit läuft man Gefahr, die auszugrenzen, die zwar in Köln leben, aber keine eingeborenen Kölner sind. Also solche Leute wie mich: die Immis.“

Bianca Hauda für KÖLN.BESTE! auf dem Ebertplatz fotografiert von Costa Belibasakis

Text: Sebastian Züger
Fotos: Costa Belibasakis

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