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„Der Dom ist ein super Treffpunkt“

21.06.2019 | Menschen

Name:
Bertamaria Reetz

Geboren:
11. Juni 1952 in Ripsdorf/Eifel

In Köln seit:
Vom Jeföhl her immer schon

Beruf:
Künstlerin

Lieblingsort:
Domplatte

Bertamaria Reetz Künstlerin Koeln Beste GAG Immobilien AG Blauschäferei Blaue Schafe Friedensschafe Jecke Hühner

Wenn ich von Pulheim, wo ich wohne, nach Köln fahre, tue ich das meist mit der Bahn und komme am Hauptbahnhof an. Und wenn ich mich mit Leuten verabrede, ist der Treffpunkt eigentlich immer der Dom. Ich treffe mich wirklich immer am Dom. Vielleicht hört sich das etwas einfach an – und das ist es ja auch. Es ist eben ein super Treffpunkt in Köln. Von dort gehe ich meist ins Café Reichard an der Domplatte, schlicht und ergreifend mein Lieblingsort in Köln. Man hat hier einen schönen Überblick und spürt die Vielfalt der Menschen.

In der Nordeifel bin ich geboren und aufgewachsen. Dann habe ich viele Jahre in der Verwaltung der Universität Köln gearbeitet, insgesamt 44 Jahre.  Als ich sehr krank wurde, habe ich mein Leben neu ausgerichtet. Die Kunst hat mich gerettet. Sie ist mein Leben und sie hat mich aus dem Tief herausgeholt, in dem ich damals meine Mappe für die Bewerbung an den Kunsthochschulen fertig gemacht habe. Die Kunstakademie Düsseldorf nahm mich auf und ich studierte bei Professor Siegfried Cremer. Da war ich Mitte 30, also recht spät dran. In dem Alter, in dem ich als professionelle bildende Künstlerin anfing, war Egon Schiele längst verstorben.

 

„Käthe Kollwitz ist mein großes Vorbild“

Ich habe mich in meiner Kunst nie von Lehrern bestimmen lassen, sondern war immer auf der Suche nach mir selbst – bis ich mein großes künstlerische Vorbild Käthe Kollwitz gefunden habe. Ich bewundere die soziale und politische Energie in ihrer Kunst. Kunst war für mich auch nie ein Spiel, das nur der Verschönerung und Verzierung des Alltags dient, sondern sie ist immer eine Auseinandersetzung mit dem Leben. Und ja – man kann sagen, dass ich meine Erlebnisse und meine Krankheit in meinen Bildern verarbeitet habe.

Ich versuche in meinen Werken, mein Inneres im Bild zu spiegeln, und bin immer auf der Suche nach Klarheit und Wahrheit. Dabei benutze ich keine Pinsel, sondern nur meine Hände und Lappen. Ich brauche immer das Gefühl, dass ich die Leinwand beherrsche – auch wenn sie drei Meter hoch ist. Dazu brauche ich viel Platz, den ich in meinem Atelier auch habe.

Wenn ich ein Bild fertig habe und zeige, setzt sich bei dem Betrachter auf der Basis seiner eigenen Inspiration und seinen eigenen Werte die Wahrnehmung in Gang. Durch meine persönlichen Erfahrungen bin ich besonders sensibel für Menschen in Angstsituationen, Schmerzen und inneren Kämpfen. Das kommt besonders in meinen großformatigen, schwarz-weißen Köpfen zum Ausdruck.

Im Gegensatz dazu habe ich mich in meiner „Weißen Phase“ einfach mal entspannt. Und momentan bin ich künstlerisch wieder ganz anders unterwegs. Ich habe mich vom 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum und Piet Mondrian inspirieren lassen. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Wegen zur Reduzierung. Alles mit sehr wenig auf einen Punkt zu bringen macht mir großen Spaß. Überfütterung nimmt mir hingegen die Freiheit.

Vor dem Hintergrund meiner Lebensgeschichte möchte ich die Welt gern positiv verändern helfen. Das tue ich, indem ich Kunst und soziale Projekte verbinde. So entstanden die Projekte Blauschäferei, die Jecken Bunten Hühner und zahlreiche Bemal-Aktionen. Ich möchte Kunst, die Freude macht, in den öffentlichen Raum bringen und dabei Geld für nachhaltige Projekte sammeln.

Bertamaria Reetz Künstlerin Koeln Beste GAG Immobilien AG Blauschäferei Blaue Schafe Friedensschafe Jecke Hühner

„Köln war nie beleidigt“

Ein Beispiel dafür ist die 1. Großen Benefiz-Kunst-Gebung am Samstag: Die blaue Friedensschafherde wird auf dem Heumarkt grasen und viele Bands, darunter die HÖHNER, die RÄUBER und der Jugendchor St. Stephan, werden Musik machen.

Mein Bestreben ist es seit vielen Jahren, durch meine Kunst und die damit verbundenen Aussagen Hilfebedürftigen ihre Würde zurückzugeben. Die Idee der Friedensherde ist: Alle sind gleich – jeder ist wichtig. Die blauen Schafe stehen symbolisch für Frieden und Toleranz. Hergestellt und bearbeitet werden sie in den Behindertenwerkstätten Köln-Poll. Ich wünsche mir sehr, dass viele Besucher der Kunst-Gebung so ein blaues Schaf erwerben. Der Erlös wird den Verein „Kölner Flüchtlingsrat e.V.“ unterstützen, der sich um Flüchtlinge und Obdachlose kümmert.

Das liebe ich übrigens auch sehr an Köln: Wenn man etwas vorhat, bekommt man viel Unterstützung. In anderen Städten habe ich das wirklich schon anders erlebt. Einmal habe ich sogar eine Aktion zurückgezogen, weil das Engagement von Stadt und Bürgern so gering war. Ich verrate jetzt nicht, wo das war. In Köln wäre das undenkbar. Hier hilft man sich. Ich bin gut vernetzt in der Stadt, die HÖHNER kenne ich schon ewig und habe schöne Aktionen mit ihnen gemacht. Mit solchen Menschen macht das Arbeiten einfach Spaß. Ich habe auch schon ein paar Jahre woanders gelebt. Doch Köln war deshalb nie beleidigt und hat mich immer wieder mit offenen Armen aufgenommen.

Fotos: Thilo Schmülgen
Text und Clip: Jana Mareen Züger

 

 

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