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Das Saxophon schreit danach, täglich geübt zu werden

03.05.2018 | Menschen

Name:
Bernd Delbrügge

Geboren:
In Minden

In Köln seit:
1982

Beruf:
Saxophonist, Bandleader, Fotograf, Autor

Lieblingsort:
Der Platz vor dem Kiosk „Tatar“ in der Rosenhofsiedlung in Bickendorf

Wenn ich einige Tage unterwegs war, fahre ich in die Rosenhofsiedlung und fühle: Hier gibt es Klarheit. Was Riphahn hier geschaffen hat, verbindet architektonische Gestaltung mit einer Farbwelt, die mich beruhigt. Deshalb sitze ich auch gerne hier auf dem Platz und trinke abends mit meinem Nachbarn Christoph ein Bier.

Christoph ist Sozialarbeiter und macht auch bei „Kultur vorm Büdchen“ mit. Das ist mein Projekt für nachbarschaftliche Kulturvermittlung. Wichtig ist der nicht-kommerzielle Charakter. Künstler aus dem Viertel machen Musik, zum Beispiel von Duke Ellington, oder lesen Texte von Ringelnatz bis Erhardt. Ein Nachbar sagt: „Ich bringe den Grill mit“, ein anderer kümmert sich um die Maibowle. Von Nachbarn für Nachbarn. Das ist die zentrale Idee.

Der Kiosk ist natürlich ganz wichtig, denn Hacer Tatar stellt den Strom und die Kühlschränke und kümmert sich um das leibliche Wohl. Im vergangenen Jahr waren 150 Leute hier, der Platz war voll. Das war total schön und hat viel Spaß gemacht. Wir versuchen das zweimal im Jahr. Dieses Jahr klappt es hoffentlich wieder. Es ist gar nicht so einfach, einen Termin zu finden, an dem alle können.

„Das Saxophon schreit danach, täglich geübt zu werden“

Mein Instrument ist mein ständiger Begleiter, und das Saxophon schreit danach, täglich geübt zu werden. Morgens nach dem Frühstück heißt das eine Stunde Üben. Wenn ich die absolviert habe, Tonleitern rauf und runter, habe ich auch einen klaren Kopf. Diese Klarheit zu schaffen, ist sehr wichtig für mich, denn ich betreibe fünf Musikprojekte parallel, die meine ganze Aufmerksamkeit erfordern. Das ist nicht einfach zu koordinieren mit Proben, Auftritten und Marketing. Das mache ich alles selbst: Ich bin eine One-Man-Show.

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„Die anderen wollten lieber Black Sabbath hören“

Mit 17 hatte ich Freunde, die in einer Wohngemeinschaft auf dem Land lebten, und einer von denen hatte ein Saxophon. Ich habe darauf ein bisschen herumgetrötet und war total geflasht. Das hat in mir etwas ausgelöst. Viele meiner Freunde haben damals Jazzmusik gehört. Die deutsche Jazzszene stellte sich in den 70er Jahren neu auf. Eberhard Weber, Manfred Schoof, Jan Gabarek… Das war die Initialzündung. Das habe ich viel gehört.

Aber groß geworden bin ich mit Soulmusik und mit Rhythm’n’Blues: Muddy Waters, John Lee Hooker… Mit 15 habe ich auf Schulpartys Musik von James Brown und Ike und Tina Turner aufgelegt. Die anderen wollten aber lieber Black Sabbath hören. Das gab einige Konflikte.

1982 kam ich dann nach Köln und war zunächst Gasthörer an der Musikhochschule. Das ist schon so lange her, und trotzdem wird man als Immi nie ganz Kölner. 1989 gründete ich die „Soulcats“. Ich wollte eine große Band haben mit Bläsern und allem Drum und Dran. Eine richtige Soulband eben. Nach einer längeren Pause habe ich die Soulcats dann vor vier Jahren mit BAP-Bassist Werner Kopal neu formiert. Werner war schon Anfang der 90er Jahre der Soulcats-Bassist. Das macht uns nach wie vor großen Spaß. Das ist einfach eine tolle Band.

„Es ist schön hier. Hier würde ich auch gerne spielen.“

Am 11. Mai spiele ich mit der „Bernd Delbrügge Band“ in der Kulturkirche Ost. Meine Freundin hatte da einen Auftritt, bei dem ich fotografiert habe. Ich dachte: „Es ist schön hier. Hier würde ich auch gerne spielen.“ Und ich freue mich, dass es jetzt klappt.Wir sind ein Jazzquartett, spielen aber nicht nur Jazz, sondern auch Rhythm’n’Blues und Motown-Grooves. Da singe ich auch. Das ist neu für mich. Das wollte ich immer schon, und viele Menschen haben immer wieder gedrängt, es gab aber nie die Gelegenheit.

„Für Hobbys habe ich keine Zeit“. Musik machen, Fotografieren… Da gibt es so Vieles. Gerne würde ich auch wieder ein Buch schreiben oder eine Ausstellung mit meinen Fotos machen. Das geht im Moment mit all meinen anderen Projekten nicht. Aber ich sage mir: „Alles hat seine Zeit.“ Nur eins ist klar: Für Hobbys habe ich keine Zeit.

Man muss sich organisieren und Prioritäten setzen. Ich habe zum Beispiel kein eigenes Auto mehr, weil ich es leid war, abends nach Hause zu kommen und ewig nach einem Parkplatz zu suchen. Jetzt mache ich Carsharing. Das klappt hervorragend. Das war ein Punkt im Leben, der mich so genervt hat, dass ich gesagt habe: „Den stelle ich ab!“

Hinweis Konzert in der Kulturkiche Ost in Köln-Buchforst, 11. Mai, 19 Uhr

Fotos: Patrick Essex
Text: Ulrike Wolff

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