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„In Köln kann jeden Tag was Schönes passieren“

22.11.2016 | Menschen

Name:
Annick Manoukian

Geboren:
1987 in Rheinzabern

In Köln seit:
2011

Beruf:
Musikredakteurin, Radiomoderatorin, Musikerin

Lieblingsort:
Das Mäuerchen am Rheinufer bei St. Clemens

Leider trifft man so selten Leute, die noch so richtig derbe Kölsch reden. Vielleicht treff ich die aber auch einfach nur nicht, weil ich nicht in die richtigen Kneipen gehe. Wenn ich dann doch mal einem begegne, bin ich manchmal etwas überfordert.

Dabei komm ich mit der Sprache eigentlich ganz gut klar. Ich habe sogar eine zweite Band neben Angelika Express, die sich mit Kölschem Liedgut beschäftigt – „Zielgruppe“ heißt die. Einmal im Jahr treten wir damit im „Klüngelpütz“ auf, und zwar übersetzen wir Kölschsongs ins Hochdeutsche. Das ist ziemlich lustig. Die heißen dann zum Beispiel „Du trinkst besser mit“, „In unserem Viertel“, „Wir lassen den Dom in Köln“ oder „In der Sonderschule“. Beim Übersetzen lernt man ganz gut Kölsch. Aber ich muss auch immer wieder googeln. Ganz besonders schön finde ich Wörter wie „Plümo“, „Butz“ oder „Flönz“.

Ich komme aus der Südpfalz, aus der Gegend um Speyer, Germersheim und Karlsruhe. Ich wusste schon ziemlich früh, dass Köln super ist. Eine Bekannte ist irgendwann dorthin hingezogen, und so bekam ich immer wieder tolle Storys zu hören. Nach dem Abitur hab ich direkt geguckt, was man da studieren kann, aber – war leider nix dabei für mich. Um Musikjournalismus zu studieren, musste ich nach Paderborn. Paderborn – stell Dir das mal vor! Und nach dem Bachelor war wieder nix mit Köln, da musste ich nach Hannover. Meine Masterarbeit hab ich dann aber schon von Köln aus geschrieben.

„Hannover war Ruhe. Köln ist Abenteuer“

Seit 2011 wohne ich jetzt wirklich in Köln. Aus Liebe! Zwei Jahre vorher hab ich Robert, den Sänger von Angelika Express, kennengelernt. Deshalb bin ich in Hannover auch nie wirklich angekommen. Jedes Wochenende bin ich ab nach Köln – meine Kommilitonen fanden das ziemlich blöd, glaub ich. Inzwischen wohnen einige von denen aber selbst hier. Köln ist aber auch wirklich viel spannender. Hannover ist zwar schön: zwei Flüsse, die Leine und die Ihme, der größte innerstädtische Wald Deutschlands – naja, das sagt ja schon alles. Da passiert halt nix. Hannover war Ruhe. Köln ist Abenteuer.

Aber schön? Naja, doch, das Agnesviertel find ich schon sehr schön. Dort haben wir gewohnt, bis wir nach Mülheim gezogen sind. Und wenn du nach Köln reinkommst mit dem ICE über die Hohenzollernbrücke, dieser Postkartenblick mit Dom, Musical-Dome und Rhein – das ist schon ein geiler Empfang. Ich hab jedes Mal das Gefühl, da geht ein Tor auf.

annick manoukian kölnbeste gag

Das einzige, worin mich Köln enttäuscht hat, war die Jobsuche. Eigentlich hab ich erwartet, dass ich mit meinem Studium in der Medienstadt Köln doch was finden müsste. Erst war ich in einer Werbeagentur, aber das war nicht so mein Ding. Jetzt pendle ich jeden Tag nach Oberhausen zu Radio NRW. Ich fahre also eine Stunde zur Arbeit, um dann – unter anderem – in Köln im Radio zu laufen. Bisschen kurios. Meine Kollegen fragen immer, wann ich mal endlich nach Oberhausen ziehe. Aber: Never! Ever!

Als ich zuhause erzählt habe, dass ich jetzt einen Freund in Köln habe, haben alle gefragt: „Du hast einen gefunden, der hetero ist?“ Ich bekomme das schwul-lesbische Leben in Köln gar nicht so mit, für mich ist das ein Vorurteil. Andererseits find ich es aber auch sehr sympathisch, dass sich die Kölner das so auf die Fahne schreiben und damit für ihren toleranten Lebensstil werben.

Karneval gehört ja auch dazu. Leider bin ich viel zu selten dabei. Ich nehm mir jedes Jahr extra frei, aber mein Freund bremst mich immer so ein bisschen aus. Das war im ersten Jahr anders. Da habe ich für meine Uni eine Reportage über den Kölner Karneval gemacht und er hat mir alles gezeigt. Wir waren überall: am Alter Markt, beim Rosenmontagszug, in unzähligen Kneipen – eine Woche lang haben wir wirklich alles mitgemacht. Ich war die ganze Zeit nüchtern. Ich musste ja schreiben.

„Das Krasseste am Karneval: das Nubbelverbrennen“

Am krassesten fand ich das, was immer ganz am Schluss kommt: das Nubbelverbrennen. Ich hatte vorher nie davon gehört. Und dann kamen wir in die Südstadt und plötzlich fragt man sich: Wo bin ich denn hier gelandet? Bei einer Hexenverbrennung? Das wirkt so wahnsinnig düster, fast aggressiv – dabei ist es ganz harmlos.

Am Anfang dachte ich: In Köln kann jeden Tag was Schönes passieren. Irgendwann merkt man dann, dass auch in Köln nicht jeder Tag schön ist. Aber das positive Grundgefühl ist immer noch da. Ich glaube, das ist ein Teil der Kölner Mentalität.

Gerade ist die neue Platte unserer Band Angelika Express erschienen mit dem schönen Titel „Alkohol“. Angelika Express ist auch eine Art, sich mit Köln zu beschäftigen. Die Indieszene hier ist echt unglaublich kreativ. Da, wo ich groß geworden bin, gab es nur Coverbands. Alle Musiker, die ich kannte, haben nur Songs nachgespielt. Hier in Köln schreiben alle ihre Songs selber. Dabei ist das gar nicht so einfach. Ich hab’s auch mal probiert, aber es hat auf Dauer nicht gereicht. Bei Angelika Express denk ich mir zu Roberts Songs meine Gesangsstimme aus und spiel die Gitarre dazu. Damit bin ich vollauf beschäftigt.

Angelika Express „Alkohol“: kostenlos reinhören

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