„Wenn schon Deutschland, dann Köln!“

30.07.2019 | Menschen

Name:
Anja Plate

Geboren:
18. Dezember 1963 in Troisdorf

In Köln seit:
2007

Beruf:
Geschäftsführerin und Psychotherapeutin

Lieblingsort:
Agnesviertel

Anja Plate Köln Beste Kölner Freiwilligen Agentur e.V. Patenschaft Flüchtlingskind Heilpraktikerin für Psychotherapie GAG Immobilien AG Menschen

Mit rund einer Millionen Einwohnern ist Köln eine relativ kleine Stadt. Im Gegensatz zu Rom auf jeden Fall. Dort leben in etwa dreimal so viele Menschen. Eine davon war ich. 25 Jahre lang habe ich dort gewohnt und gearbeitet. Direkt nach dem Abi habe ich meine Sachen gepackt, um dem disziplinierten Deutschland zu entfliehen und bin in der italienischen Hauptstadt Au Pair-Mädchen geworden.

Es hat nicht lange gedauert, da war ich verliebt in diese Stadt. Ich bin geblieben: ein Jahr, dann noch eins und noch eins. Ich machte eine Ausbildung als Übersetzerin und etablierte mich später als Produktmanagerin in der Musikbranche. Ich hatte mein Leben dort, doch nach 25 Jahren brach ich, der Liebe wegen, alle Zelte wieder ab und zog nach Südfrankreich. Dort machte ich erfolgreich einen Bioladen auf, den ich nach sieben Jahren allerdings wieder verkaufte.

„Am Rhein lässt es sich gut leben“

Denn vor zwölf Jahren startete ich mein drittes Leben: in Köln. Damals habe ich mir gedacht: Wenn schon zurück zu meinen Wurzeln nach Deutschland, dann nur nach Köln. Ich habe immer unter der für mich gefühlten Strenge in Deutschland gelitten, doch am Rhein lässt es sich gut leben. Hier geht es einfach lockerer zu als anderswo im Land. Mich fasziniert auch, dass man alles super mit dem Fahrrad erreichen kann. Gut, Köln hat nicht den Ruf als fahrradfreundliche Stadt, aber im Gegensatz zu Rom, kommt man hier mit dem Rad super zurecht.

2007 übernahm ich den elterlichen Betrieb in Köln und wurde Geschäftsführerin der VKK GmbH, die Biokunststoffe herstellt. Die Firma ist seit vielen Jahren etabliert und so konnte ich mich beruflich auf mehrere Standbeine stellen. Ein Herzensthema von mir sind Menschen. Deshalb habe ich noch eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie gemacht und mich ständig im In- und Ausland weitergebildet. Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch seinen Schatz in sich trägt, der ihm hilft verschiedene Probleme zu überwinden. Diesen Schatz Hand in Hand mit meinen Patienten zu heben, dafür brenne ich.

„Ich habe eine wundervolle Patentochter“

Ich mag es Menschen zu helfen und das nicht nur in meiner Praxis im Agnesviertel. Ich arbeite auch ehrenamtlich für die Kölner Freiwilligen Agentur e.V.. Dort gibt es ein wunderbares Projekt, das ich schon seit September 2018 unterstütze.

Und zwar habe ich die Patenschaft für ein grundschulpflichtiges Flüchtlingskind übernommen. Es ist eine tolle, sehr erfüllende Aufgabe, für die ich hier mal richtig Werbung machen möchte. Allerdings sollte die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen werden. Dafür sorgt der Kölner Flüchtlingsrat, der vor Beginn einer solchen Patenschaft einen zweitägigen Workshop veranstaltet, in dem man für diese Aufgabe qualifiziert vorbereitet wird.

Den Kindern soll jemand verbindlich an die Seite gestellt werden, zu dem sie Vertrauen aufbauen können und der sich an einem festen Tag in der Woche drei bis fünf Stunden Zeit für das Kind nimmt. Viele Kölner Grundschulen machen mit und schlagen Kinder für das Projekt vor. Durch Steckbriefe der Paten/innen entscheidet die Paten-Gruppe, welches Kind mit welchem Paten/in am besten zusammenpasst.

Ich habe eine wundervolle Patentochter bekommen, die ich sehr in mein Herz geschlossen habe. Einmal in der Woche hole ich sie von der Schule ab und wir unternehmen was Schönes. Manchmal auch mit mehreren Paten und Kindern aus der Gruppe zusammen. So wie neulich, da waren wir im Zirkus. Demnächst gehe ich mit ihr zum Ponyreiten. Durch die Nähe zu den Tieren blüht sie immer richtig auf und das ist so schön zu sehen.

„Zu helfen tut mir gut“

Oftmals landen wir aber auch einfach bei mir zu Hause, kochen was, malen oder ich lese was vor. Man muss schon sagen, dass die Kinder traumatisiert sind und ihnen Ruhe sehr gut tut. Es ist wichtig ihnen einfach mal uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu schenken. In den Familien ist es oft sehr wuselig, sie leben häufig mit vielen Geschwistern in den Unterkünften und finden dort wenig Ruhe, um Hausaufgaben zu machen oder Erlebtes zu verarbeiten.

Dass dieser kleine Mensch von mir profitieren kann, tut mir selber wieder gut. Es ist wie mit einem Tropfen im Ozean: Indem ich diesem Kind etwas Gutes tue, leiste ich einen Teil für die gesamte Gesellschaft.

Diese Patenschaft ist mindestens auf ein Jahr angelegt. Einmal im Monat treffen wir uns mit den anderen Paten in der Agentur zu einer Art Reflection-Meeting. Dort bekommt man wertvollen Austausch und konkrete Hilfe, falls es ein Sprach- oder Behörden-Problem gibt.

Die Treffen helfen den Blick zu weiten und seine eigene Rolle als Pate oder Patin zu reflektieren. Häufig sind Experten eingeladen, die Infos zu Sprach- und Lernförderung oder zum Thema Flüchtlingsstatus geben.

Ich habe mich entschlossen, auch nach Abschluss des Jahres weiter zu den Treffen zu gehen und mich um mein Patenkind zu kümmern. Gerade weil ich selbst so lange im Ausland war, weiß ich, wie wichtig andere Menschen sind, damit man in einem Land richtig ankommen kann. Und das möchte ich diesem Kind, hier in Köln, ebenfalls bieten.

Anja Plate Köln Beste Kölner Freiwilligen Agentur e.V. Patenschaft Flüchtlingskind Heilpraktikerin für Psychotherapie GAG Immobilien AG Menschen

Möchten Sie auch bei dem Projekt mitmachen und eine Patenschaft für ein geflüchtetes Kind übernehmen? Dann besuchen Sie doch eine der nächsten Infoveranstaltungen und melden Sie sich bei der Kölner Freiwilligen Agentur an unter: 0221/888278-22.

 

Fotos: Costa Belibasakis
Text: Jana Mareen Züger

 

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