Die Welt zu sich nach Hause holen: Gastfamilien gesucht

23.12.2019 | Helfen

Studierende von überallher kommen nach Köln, um ehrenamtlich soziale Projekte zu unterstützen. Begleitet werden sie dabei von der Studentenorganisation AIESEC, die mehr interkulturelles Verständnis schaffen will. Nun brauchen die Vermittler selber Hilfe. Gesucht werden Gastfamilien, die die Freiwilligen für sechs Wochen aufnehmen.

Inhaltsverzeichnis

AISEC unterstützt Studenten und soziale Projekte

AIESEC ist die größte internationale Studierendenorganisation der Welt. Allein in Deutschland gehören 1000 Freiwillige von 37 Universitäten und Fachhochschulen dazu, weltweit sind es 780 Lokalkomitees (wie die Ortsvereine heißen) in 126 Ländern. Studenten der Wirtschaftswissenschaften aus sieben Ländern haben den Verein im Jahr 1948 in Stockholm gegründet – also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

„Kultureller Austausch sollte jede Form von Rassismus vorbeugen.“
Lea Godejohann

 

Lea Godejohann ist 23 Jahre alt, studiert an der Kölner Uni BWL und ist bei AIESEC Vice President of Incoming Global Volunteer.
Lea Godejohann ist 23 Jahre alt, studiert an der Kölner Uni BWL und ist bei AIESEC Vice President of Incoming Global Volunteer.

Der Name AIESEC stand ursprünglich für „Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Commerciales“. Da sich der Fokus allerdings von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften auf alle anderen Studienrichtungen erweiterte, wurde aus der Abkürzung in den 1990er Jahren ein Eigennamen. AIESEC ist auch Partner der Vereinten Nationen und unterstützt die Ziele für nachhaltige Entwicklung, die die UN für die Zeit bis 2030 ausgegeben hat. Dazu gehört es etwa, die Armut zu beenden, ein gesundes Leben und Bildung für alle zu ermöglichen, eine Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen.

Traditionell unterstützen die 30 Mitglieder von AIESEC Köln deutsche Studierende, die sich in diesem Sinne an sozialen Projekten im Ausland beteiligen wollen. In dieser Form neu ist das Angebot, Freiwillige aus dem Ausland für zumeist sechs Wochen an deutsche Projekte zu vermitteln – bislang waren das vor allem Praktikanten aus dem IT-Bereich. Die Freiwilligen aus dem Ausland werden in Gastfamilien untergebracht – auch um die Kosten für ihren ehrenamtlichen Einsatz überschaubar zu halten.

Die Zeit für die aktuelle Projektphase wird langsam knapp. In der zweiten Januarwoche reisen die ersten Gäste an. Insgesamt sind es 22 Studierende, mit unterschiedlichsten Studienfächern und aus aller Welt: aus der Türkei, der Ukraine, aus Albanien, Russland, Indonesien, Pakistan und Brasilien. Sie alle haben sich mit Motivationsvideos beworben, wurden ausgewählt und auf vier Projekte verteilt. Drei davon starten am 13. Januar, eins eine Woche später. Die Studentinnen und Studenten reisen jeweils ein paar Tage früher an (9. oder 16. Januar), weil sie vorab noch an einem Vorbereitungsseminar teilnehmen.

 

Das IGV-Team (von links): Rahel Subkus, Xuan Nguyen, Jill Voelkel, Katharina Stein, Simon Stüben, Amelie Fäßler und Lea Godejohann. IGV steht für Incoming Global Volunteer, ankommende Freiwillige aus aller Welt.
Das IGV-Team (von links): Rahel Subkus, Xuan Nguyen, Jill Voelkel, Katharina Stein, Simon Stüben, Amelie Fäßler und Lea Godejohann. IGV steht für Incoming Global Volunteer, ankommende Freiwillige aus aller Welt.

Die sozialen Projekte der Studenten im Überblick

Gastfamilien gesucht:Voraussetzungen und Rahmenbedingungen

Bislang haben sich erst neun Gastfamilien gefunden – noch deutlich zu wenige. Dabei sind die Voraussetzungen, die an die Gastgeber gestellt werden, nicht hoch; grundsätzlich ist jeder willkommen: „Egal ob weltoffene Familien, alleinerziehende Mütter und Väter, Paare ohne Kinder, Regenbogenfamilien, Rentner oder Studierende.“ Einkommen und Nationalität spielen keine Rolle, die Bewerber müssen lediglich in der Lage sein, mindestens einen Freiwilligen für bis zu sechs Wochen zu beherbergen.

Ein eigenes Zimmer wäre schon erwünscht, sagt Lea Godejohann, „damit die Freiwilligen sich auch mal zurückziehen können. Aber wir schauen uns die Situation in jedem Fall an. Falls es etwa so ist, dass es Kinder in ähnlichem Alter gibt, mit denen sie ein Zimmer teilen können, ist das auch okay.“

„Die Freiwilligen müssen nicht durchgefüttert werden.“
Lea Godejohann

Da für die Unterbringung kein Geld bezahlt werden könne, seien die Ansprüche nicht allzu hoch. „Die Freiwilligen müssen weder durchgefüttert noch in ihrer Freizeit beschäftigt werden“, so Godejohann. Jeder bekommt einen sogenannten Buddy zur Seite gestellt, der ihn im Alltag begleitet.

 

Lea Godejohann (rechts) und ihr Team kümmern sich vornehmlich um Studierende aus aller Welt, die zeitweise nach Deutschland kommen, um ehrenamtlich bei sozialen Projekten mitzuhelfen.
Lea Godejohann (rechts) und ihr Team kümmern sich vornehmlich um Studierende aus aller Welt, die zeitweise nach Deutschland kommen, um ehrenamtlich bei sozialen Projekten mitzuhelfen.

Der Austausch mit der Familie soll also nicht erzwungen werden; er ist aber das, was die Teilnahme interessant macht. So bekommen Gastgeber die Möglichkeit, in eine fremde Kultur einzutauchen – und zwar innerhalb der eigenen vier Wände. Sie können neue Sichtweisen und Herangehensweisen kennenlernen, aber auch die eigenen Werte und Traditionen mit anderen teilen. „Die aufregende Zeit als Gastgeber schafft mehr Bewusstsein für Toleranz und Offenheit in Ihrer Familie und bringt frischen Wind in das Familienleben“, formuliert es AIESEC auf seiner Homepage.

„Ohne meine Gastfamilie wäre ich aufgeschmissen gewesen.“
Lea Godejohann

„2018 war ich für ein Projekt in Indonesien“, berichtet Lea Godejohann. „Ich habe an einer Schule für Kinder mit Behinderung unterrichtet. Was heißt unterrichtet, wir haben zusammen gebastelt und ich hab den Kindern ein wenig Englisch beigebracht. Ganz ohne pädagogische Ausbildung, ich bin BWLerin. Aber es war eine ganz tolle Erfahrung – und ohne meine Gastfamilie wäre ich aufgeschmissen gewesen.“

Weil sich dort niemand auf Busse und Bahnen verlasse, hätten alle sich von Mopedfahrern durch die Stadt kutschieren lassen. Aber nicht jeder Indonesier spricht gut Englisch, da haben ihre Gastgeber regelmäßig geholfen. „Und sie haben mir genau erklärt, worauf ich achten muss, wenn ich mich an die superleckeren, aber hygienisch oft zweifelhaften Straßenküchen herantrauen will.“ Ihre Gastgeber hatten gerade frisch geheiratet, wenig später kam das erste Kind. „Ich habe ein Paket mit Kleidung geschickt, sie senden mir regelmäßig Fotos. Dass man so in Kontakt bleibt ist natürlich der Idealfall.“

So werden Sie zum Gastgeber!

Auch die Vermittlung durch AIESEC ist auf Kontinuität angelegt, und so werden immer wieder neue Gastfamilien gesucht. Die Projekte finden in den Semesterferien statt, also schwerpunktmäßig im Januar/Februar und im Juni/Juli. Interessenten können in einem Online-Portal unverbindlich registrieren. „Dann gehen wir auf die Leute zu und vereinbaren ein erstes Treffen. Dann schauen wir uns die Unterkunft an und besprechen das weitere Vorgehen“, erläutert Godejohann.

Gemeinsam engagieren wir uns für unser #zohus!

Die GAG Immobilien AG kümmert sich nicht nur um das Wohnen in Köln. Auch das Leben und die Menschen stehen im Fokus unseres Engagements. Seit 2007 kümmert sich unser Sozialmanagement darum, das Wohnumfeld in unseren Quartieren noch lebenswerter zu gestalten. Und unser soziales Gewissen ist ständig für Köln im Einsatz.

Ähnlich ist es auch bei den Kölner Vereinen: Sie leisten einen großen Beitrag für Köln und die Menschen, erhalten Traditionen, stoßen neue Bewegungen an und engagieren sich zumeist ehrenamtlich. Wir finden: Das verdient Anerkennung. Gemeinsam machen wir die beste Stadt noch etwas besser.

 

Autor: Markus Düppengießer
Fotos: Thilo Schmülgen

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