„Aufräumen ist unser Traumberuf“

17.03.2020 | Menschen

Esther Lübke und Micki Dreeschmann sind die Aufräum-Profis. Gemeinsam mit ihren Kunden, finden sie individuelle Wege zu einem aufgeräumten und glücklichen Leben. Bei KÖLN. BESTE! berichten sie von ihrem Alltag und den besten Aufräum-Tipps.

Micki: Manchmal müssen Kunden hart gegen sich selber sein, um ihr Haus, ihre Wohnung oder ihr Büro Krempel-frei zu kriegen. Dabei helfen wir. Es geht neben Wohlfühl-Gewinn auch darum, den Blick aufs Wesentliche zu schärfen.

Und niemand sollte auf seinen inneren Schweinehund hören, der gerne mit solchen Sätzen arbeitet:

Esther: Genau. Wir lassen uns von den inneren Schweinehunden nicht abhalten.Wenn nach getaner Arbeit alles schön ist und sich der Mensch über seine Wohnung freut, freue ich mich jedes Mal mit – wie ein kleines Kind!

Micki: Gerade zum Jahresanfang kann das sehr befreiend sein. Ein guter Moment, sich die Frage zu stellen: Brauche ich das noch oder kann das weg?

Esther: Genau bei solchen Gelegenheiten haben Micki und ich uns kennengelernt: als Umzugshilfen von Freunden.

Micki: Irgendwann waren wir von diesen Gelegenheiten etwas angestrengt. Nicht vom Helfen, sondern weil immer alles so unorganisiert war. Da haben Esther und ich erstmal alles organisiert und sortiert, bevor es in den Umzugswagen ging.

Esther: Aufräumen ist tatsächlich mein Traumberuf. Meine Mutter war eine typische Achtundsechzigerin, weg von allen Konventionen. Mit Ordnung hatte sie nicht viel im Sinn. Mich hat das schon als Kind genervt und ich habe ständig die Sachen der anderen Familienmitglieder aufgeräumt. Später war ich Assistentin der Geschäftsführung in einem Unternehmen, da gab’s auch täglich was wegzuräumen. Ein Büro zu leiten ist ebenfalls Aufräumen. 2004 habe ich mich dann mit dem Aufräumdienst selbstständig gemacht … Und dann kam Micki.

Micki: Wir organisieren und strukturieren alles – von der privaten Schublade bis zum Großraumbüro. Manche Kunden möchten von uns lernen, wie man aufräumt und Ordnung beibehält. Andere buchen uns als reine Dienstleister. Sie drücken uns die Schlüssel in die Hand und kommen wieder, wenn das Chaos beseitigt ist.

Esther: Davor steht aber immer ein persönliches Gespräch. Wir müssen wissen, was für ein Ordnungstyp unser Auftraggeber ist und welche Wünsche, bzw. Ziele er hat.

Es gibt verschiedene Ordnungs-Typen:

Micki: Manchmal hören wir beim Kennenlernen einfach mal zwei Stunden zu. Es gibt zahllose Gründe, warum wir gerufen werden. Wir versuchen, den Anlass und den Kunden wirklich zu verstehen, bevor wir loslegen.

Esther: Die meisten Menschen lassen uns sehr nah an sich heran, zum Beispiel nach einem Todesfall. Manche empfinden das Wegwerfen und Entrümpeln als Verrat an dem Verstorbenen. Sie fühlen sich schuldig,  wenn sie Dinge des geliebten Menschen entsorgen – so als hätte der oder die Tote dadurch keine Bedeutung mehr für sie. Aber natürlich kann das Zimmer der Oma nicht ewig so bleiben, wie sie es zuletzt bewohnt hat. Dann kommen wir zum Einsatz.

Micki: Manchmal hören wir auch Sätze wie: Gott sei Dank sind Sie da! Wenn das alles nicht wegkommt, lasse ich mich scheiden! Ich komme nicht mehr in den Keller! Es gibt tatsächlich geschlechtsspezifische Sammelleidenschaften, auch wenn wir ungerne in Klischees unterteilen.

Esther: Ja, aber es ist schon was dran. Auch wenn es Ausnahmen gibt. Wir haben auch schon Werkzeug sammelnde Frauen kennengelernt.

Micki: Eine Ordnungsmethode ist, gleichartige Dinge zusammenzuführen. Zum Beispiel: Wo befinden sich überall Vasen im Haus? Die kommen alle an einen Ort. Wenn man zu viel davon hat, wird ausgewählt. Dann kommt die Frage: Brauche ich das wirklich? Sind wirklich fünf Toaster nötig oder reichen auch zwei, falls einer kaputt geht? Vielleicht funktionieren sogar nur drei davon?

Esther: Ein wichtiges Ordnungsprinzip ist, dass immer alles gut sichtbar platziert sein sollte. Bücherregale sind sehr beliebt für zweite oder dritte Reihen. Oftmals wissen Leute gar nicht mehr, was sie alles im Haus haben. Häh? Wo kommt das denn her? Das hören wir wirklich häufiger. Wir können dann nur scherzhaft sagen: Wir haben nix mitgebracht! Und fragen, ob Sachen, von deren Existenz man gar nicht wusste, nicht weg können?

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Micki: Manchmal finden sich aber auch Schätze wieder: Das gibt’s doch nicht: Das suche ich schon seit Jahren! Wir helfen, bei der Sache zu bleiben und sich aufs Aufräumen zu konzentrieren. Ist ja schön, wenn man emotionale Schätze wiederfindet, aber man muss die Schülerzeitung von 1989 nicht sofort durchlesen, wenn man fertig werden will.

Esther: Manche Kunden verfallen manchmal in eine Art Wegwerf-Rausch. Auch davor müssen wir sie schützen. Alles wegzuschmeißen ist auch keine Lösung. Eines Tages kommt die Reue, dass der erste Teddy oder das Taufkleid der Tochter in den Müll gewandert sind.

Micki: Erinnerungen bekommen natürlich bei uns auch einen besonderen Platz.

Esther: Grundsätzlich wollen wir aber niemanden unser System aufdrängen, sondern helfen, ein eigenes Ordnungsprinzip zu finden, das man problemlos weiterführen kann, wenn wir wieder weg sind. Sonst ist nach drei Wochen wieder Chaos. Mag zum Beispiel jemand keine Ordner, kommt er vielleicht mit Fächern besser zurecht. Da gibt es kein Richtig oder Falsch, da gibt es nur das, was individuell zu einem passt.

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Wer jetzt motiviert ist seinen Haushalt in Ordnung zu bringen, kann sich direkt Hilfe bei aermel-hoch.de holen oder nimmt das Buch von Esther Lübke und Micki Dreeschmann  zur Hand: „Die Aufräum-Profis“ ist beim frechverlag erschienen.

Fotos: Costa Belibasakis
Text: Jana Mareen Züger

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